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Diskriminierung oder Chancengleichheit? In der Arbeitswelt existieren bisweilen viele Männerdomänen, wo Frauen häufig geringeres Gehalt erhalten oder aufgrund von einem schwangerschaftsbedingten Ausfallrisiko benachteiligt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2017 bestätigt, dass Frauen trotz gleicher Leistung und Qualifikation schlechter als Männer bewertet werden. Besonders in Feldern mit hohem Männeranteil ist dies der Fall, obwohl hier der Bedarf an neuem, fachkundigem Personal hoch ist. Im Kontext neuer Entwicklungen wird Gender Equality immer wichtiger – Doch wie sieht das in der Praxis und Realität aus? Um dies besser zu verstehen, haben wir die Perspektive einer Frau im Feld der Elektrotechnik in einem Interview erfragt.

Wolltest du schon immer in der Technikbranche arbeiten?

Auch schon in meiner Schulzeit hat sich herauskristallisiert, dass ich mich eher für naturwissenschaftliche und technische Fächer interessiere. Daher wählte ich an der Realschule den Schwerpunkt Technik. Zusätzlich habe ich verschiedenste Praktika im technischen Bereich absolviert. Diese haben mir gut gefallen und mich in meinem Berufswunsch bestärkt. Auch in meiner Aus- und Weiterbildung habe ich mich für diese Branche entschieden.

Wie sieht dein Bildungsweg aus?

Nach meinem erfolgreichen Realschulabschluss und diverser Praktika, habe ich meine Ausbildung als Elektronikerin für Automatisierungstechnik begonnen. Mir hat dies große Freude bereitet und ich habe viel Neues gelernt, sodass ich anschließend für zwei Jahre in meinem Beruf gearbeitet habe. Auch wenn ich gerne Berufserfahrung sammelte, habe ich mich dann für eine Weiterbildung entschieden. Diese absolvierte ich ab September 2019 in Vollzeit für zwei Jahre. Am 07.07.2021 habe ich meine Weiterbildung zur staatlich geprüften Technikerin abgeschlossen. Momentan arbeite ich in der Montageabteilung. Besonders viel Verantwortung übernehme ich in der Fertigungsplanung. Zusätzlich unterstütze ich meine Kollegen in der Projektplanung im Bereich CAD und Software.

Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?

Täglich werde ich vor neue Herausforderungen gestellt – dies schätze ich besonders. Meine Arbeitstage sind von Abwechslung geprägt und ich bearbeite unterschiedliche Projekte, daher wird es auch nie langweilig. Zudem bekomme ich stetig mehr Verantwortung und löse komplexe und schwierige Aufgaben. Für Neues bin ich zu begeistern und schätze dies auch sehr. Den Fortschritt einer Installation von zum Beispiel einem Schaltschrank von Anfang bis Ende zu begleiten finde ich spannend. Gerne stehe ich in Kontakt mit Kollegen und Kunden und tausche mich über vorzunehmende Anpassungen und Fehler aus. Schon in meiner Ausbildung festigte sich mein Interesse an verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Fertigung, Montage, Programmierung von Maschinen und Konstruktion. Des Weiteren finde ich die Flexibilität hinsichtlich meiner Berufswahl großartig und kann mir vorstellen auch in anderen Gebieten Aufgaben zu übernehmen. Zudem gibt es zahlreiche Wege sich zusätzliches Wissen anzueignen. An Weiterbildung ist in meinem Feld von Meister, Techniker, Fachwirt und Studium alles möglich und man muss nicht an einer Stelle stehen bleiben.

Wie würdest du die Karrieremöglichkeiten im Bereich Elektrotechnik für Frauen beschreiben?

Generell sind die Karrierechancen in der Branche gut, weil aktuell Nachwuchskräfte gesucht werden und auch sonst Fachpersonal fehlt. Auch als Frau ist man in seiner Berufswahl relativ frei und es gibt viele unterschiedliche Richtungen und Wege. Im Arbeitsalltag habe ich meist nicht das Gefühl benachteiligt zu sein. Daher ist es sehr schade, dass bis jetzt noch wenige Frauen für den technischen Bereich, spezifisch die Elektrotechnik, zu begeistern sind. Im Vergleich zu früher trifft man immer häufiger auf Frauen in Leitungspositionen, welche nicht mehr reine Männersache sind. Nur habe ich das Gefühl mich immer wieder neu beweisen zu müssen, weil einem nicht immer von Anfang an alles zugetraut wird. Bei meiner Arbeit konnte ich mit meiner Leistung überzeugen. Mittlerweile habe ich schon oft positives Feedback bekommen und wurde präferiert zur Zusammenarbeit ausgewählt. Mit meiner ordentlichen, sorgfältigen Arbeitsweise und auch meiner Eigenschaften werde ich von Kollegen und Kunden geschätzt.

Musstest du auch schon negative Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Männern machen?

Glücklicherweise kann ich mich an kein konkretes Ereignis erinnern, jedoch sind Vorurteile und Stereotype dennoch in den Köpfen verankert. Vor allem ältere Männer denken in Schubladen und sind weniger offen als jüngere Kollegen und Kunden. Am Anfang sind viele skeptisch und trauen mir eher die leichten Aufgaben zu, jedoch konnte ich mich durch Installationen und weitere Tätigkeiten beweisen. Nun erhalte ich oft schwierigere Projekte und Problemstellungen, da ich vorher einen guten Job gemacht habe und sich daran erinnert wird.

Wie können wir noch mehr Frauen für die Tätigkeit und den Job begeistern?

Mehr Werbung erachte ist als wichtig, um Frauen für die Branche zu ermutigen. Zusätzlich können weibliche Vorbilder dargestellt werden, damit das Unternehmen auch für weibliche Bewerberinnen attraktiver wird. Auch Frauen in höheren Positionen sollten meiner Meinung nach offen gezeigt werden. Den Girls‘ Day finde ich an sich gut, das Anbieten von längeren Praktika besonders für Mädchen finde ich empfehlenswert. Außerdem sollte die Gleichberechtigung und Stellung im Unternehmen hinsichtlich Lohn, Wissen und Können verbessert werden. Das Anbieten von attraktiveren Konditionen bei zum Beispiel dem Mutterschutz erachte ich als sinnvoll. Zusätzlich sind Angebote wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice nützlich, damit der Berufseinstieg nach der Schwangerschaft einfacher fällt.

Was wünscht du dir von den Männern, um Gleichberechtigung zu fördern?

Ich fände es toll, wenn die Vorurteile weniger werden. Männer sollen lernen anzuerkennen, dass eine Frau im Team nur bereichernd sein kann. Schließlich hat jeder unterschiedliche Stärken und Schwächen, welche in einer diversen Gruppe optimal aufeinander abgestimmt werden können. Offenheit gegenüber neuen Ideen und auch Menschen finde ich auch sehr wichtig.

Hast du Tipps für junge Mädchen und Frauen, die Interesse an dem Bereich haben?

Traut euch und seid mutig! Nutzt alle Möglichkeiten zum Ausprobieren wie zum Beispiel Praktika, Schnuppertage oder auch den Unterricht in der Schule. Schaut was euch wirklich interessiert und seid offen, auch wenn die Gesellschaft manche Entscheidungen weniger gut heißt. Falls einem etwas doch nicht so gut gefällt wie am Anfang erwartet ist es auch überhaupt nicht schlimm. Schließlich gibt es zahlreiche Wege die man einschlagen kann und auch unterschiedliche Positionen. Ihr braucht keine Angst zu haben, dass ihr Fehler macht. Der Umgang damit ist jedoch zentral und macht auch in schwierigen Situationen trotzdem weiter. Nur so könnt ihr lernen und es zukünftig besser machen!

Nach diesem spannenden Einblick stellen wir euch im Folgenden den Girls‘ Day und weitere Chancen vor, die für Frauen in Männerdomänen sprechen:

Was ist der Girls‘ Day?

Im Rahmen der Berufsorientierung unterstützt der girlsday Schülerinnen seit 2001. Der Mädchen-Zukunftstag ist von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Initiative D21 und dem Deutschen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen worden. Teilnehmen können Schülerinnen ab Klasse 5, welche hierbei die Möglichkeit erhalten, in typische Männerdomänen zu schnuppern. Durch praktische Beispiele wird die Arbeit den Schülerinnen nähergebracht. Häufig kann in Laboren, Werkstätten und Büros selbst experimentiert und ausprobiert werden.

Welche Vorteile bietet der Girls‘ Day?

Diverse Gründe sprechen für die Veranstaltung des Girls‘ Days. Trotz dessen, dass Mädchen häufig gute Noten und Abschlüsse haben, trauen sie sich häufig keine Arbeit im technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich zu. Zusätzlich gibt es hier einen Mangel an Nachwuchs und Fachkräften, daher ist es umso wichtiger geeignete Talente für die Branche zu begeistern. Auch wenn Gleichstellung heutzutage an Bedeutung beispielsweise durch Gendern gewinnt, sind vorherrschende Stereotype noch lange nicht aufgelöst. Daher wird es immer wichtiger, dass sich junge Frauen aktiv einbringen und Angebote kennenlernen. Der Arbeitsmarkt bietet aktuell zusätzlich optimale Karrierechancen, welche es zu nutzen gilt. Im Rahmen der Gleichstellung ist der girlsday daher so wichtig. Die Trennung abhängig von dem Geschlecht ist sinnvoll, um gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und sich offen mit Zielen und Träumen auseinanderzusetzen, ohne dabei ständig Stereotype im Hinterkopf haben zu müssen. Parallel dazu wird daher für Schüler der Boys‘ Day angeboten.

Weshalb ist Elektrotechnik so spannend?

Generell ist die Technikbranche in vielfältige Bereiche einzuteilen und wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Im Kontext von Digitalisierung, Smart Home und Industrie 4.0 wird Innovation und Fortschritt immer wichtiger. Daher bedarf es an Personal, welches Prozesse versteht und auch selbst durchführen kann. Es ist sehr faszinierend, dass man Strom nicht sehen kann. Seine Abwesenheit fällt jedoch sofort auf. Diese und weitere Abläufe begegnen einen im Arbeitsalltag als Elektrotechniker/-in häufig und die Suche nach Ursachen und Wirkungen gestaltet sich als äußerst interessant. In Zeiten von Corona wird deutlich, dass Privatpersonen bei technischen Aufgaben an ihre Grenzen kommen und professionelle Unterstützung benötigen. Aufgrund dessen und der guten Karrierechancen ist das Segment Elektrotechnik besonders attraktiv. Außerdem ist nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch die praktische Anwendung wichtig. Dies trägt dazu bei, dass der Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich ist. Jeden Tag steht man vor neuen Aufgaben oder Kunden und es wird daher auch nie langweilig. Im Alltag können das erworbene Wissen und die erlernten Fähigkeiten auch mehr als praktisch sein.

Wieso ist ein höherer Frauenanteil in einer Männerdomäne sinnvoll?

Eine moderne Unternehmenskultur ist durch Vielfalt geprägt. Wenn die Belegschaft und die Führungsebene divers sind, kann ein positives Arbeitgeberimage resultieren. Dadurch wird der Arbeitgeber ansprechender und das Gewinnen potenzieller Kunden fällt leichter. Zusätzlich besitzen Individuen unterschiedliche Stärken und Schwächen, welche sich durch Kombination optimal ausgleichen lassen. Mit positiven Eigenschaften wie Sorgfalt, Sympathie punkten Frauen im Berufsalltag. Außerdem haben sie häufig eine andere Sichtweise, was den Fortschritt und die Zusammenarbeit enorm fördert. Zusätzlich kann das Teamklima durch verschiedene Charaktere positiv beeinflusst werden. Diese Gründe sprechen auch langfristig dafür, dass die generelle Zufriedenheit ansteigt und sich Mitarbeitende eher an das Unternehmen binden.

Wie lassen sich zukünftige Entwicklungen fördern?

Der Girls‘ Day ist eine gute Möglichkeit, um Mädchen und jungen Frauen einen Einblick in verschiedene Berufsfelder zu bieten. Optimalerweise führt das Kennenlernen von Tätigkeit und Betrieb zu Begeisterung und prägt den späteren Karriereweg. Gleichstellung und eine offene Einstellung sind zusätzlich hilfreich. Nur weil ein Bereich typisch männlich ist, heißt es schließlich nicht gleich, dass eine Frau die Arbeiten schlechter erledigt.

Fazit

Zusammenfassend wird deutlich, dass die Technikbranche auch für Frauen äußerst attraktiv sein kann. Leider trauen sich viele jedoch keinen Beruf in der Branche zu, sind nicht mutig genug und schöpfen demnach ihr Potenzial nicht voll aus. Das Kennenlernen von Angeboten und Möglichkeiten für Mädchen und junge Frauen ist daher umso wichtiger. Nur so kann dem Fachkräftemangel effektiv entgegengewirkt und die Zukunft der Branche sichergestellt werden. Damit Diskriminierung auch gänzlich der Vergangenheit angehört, soll zukünftig Chancengleichheit und Gleichstellung weiterverfolgt und etabliert werden.